02.10.2019 - 19:30 Uhr Konzert im Boxring – Fürchte dich nicht

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Gesungen wird immer, in Zeiten des Friedens genauso wie im Krieg, als Sieger wie als Verlierer. Was gibt uns Menschen Kraft und Hoffnung, unser Leben und unsere Gesellschaft immer wieder neu zu gestalten und zukunftsfähig machen? In unserem Programm richten wir den Blick auf drei Zeitspannen, die sich dieses Jahr jähren. Die Impulse kommen aus der Barockzeit (1619 und 1719), den Einfluss des zweiten Weltkrieges (ab 1939) und die Ereignisse der friedliche Revolution 1989. Die Stücke erklingen nicht chronologisch sondern sind kontrastreich kombiniert.

Für das Konzert konnten wir die Boxhalle im Westwerk in Leipzig Lindenau gewinnen und freuen uns auf den außergewöhnlichen Raum!

Vor 300 Jahren befand sich Sachsen in den Anfängen des 30jährigen Krieges, der viel Leid über die Bevölkerung bringen sollte. Sachsen bereite sich darauf vor, am Krieg gegen Böhmen teilzunehmen. Komponisten wie Johann Hermann Schein und Heinrich Schütz schrieben ihre Chorwerke während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648). Etwa 100 Jahre später vertone Bach in seiner Weimarer Zeit die Bitte um Frieden oder das Aufgehobensein bei Gott, vertont in seiner Motette „Fürchte dich nicht, ich bin bei dir“.

Der reiche, filigran geführte achtstimmige Satz der Motette Fürchte dich nicht (BWV 228) nimmt Worte aus Jesaja 41 und 43 auf. Wahrscheinlich stammt das Stück schon aus der Weimarer Zeit. Auffällig ist, dass sich der achtstimmige Satz in der Mitte bei den Worten „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen“ zur Vierstimmigkeit reduziert. Die drei tiefen Stimmen beginnen dann eine elegische Doppelfuge mit einem absteigenden chromatischen Thema auf den Text „Denn ich habe dich erlöset“ und einem aufsteigenden diatonischen Hoffnungsmotiv, das den Satz „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein“ zum Klingen bringt Die absteigende Linie versinnbildlicht das vom Himmel herabsteigende Erlösungshandeln Gottes, die aufsteigende, die Freude derer, die dies im Glauben annehmen. Dann erhebt sich – als Höhepunkt des Stückes – über den fugierenden Stimmen die Choralmelodie „Herr mein Hirt, Brunn aller Freuden“, ehe am Ende die doppelchörige Struktur des Anfangs wiederkehrt.

Als Ergebnis der furchtbaren Leiden des zweiten Weltkrieges stand das Ringen um ein neues, besseres Leben und Staatssystem. Im Zuge dessen entstanden die Lieder von Eisler/Becher. Lieder, die nach den Wirren des zweiten Weltkrieges die Suche nach einer neuen Art des Zusammenlebens widerspiegeln. Dabei wurden Hoffnungen geweckt, die in den Folgejahren bitter enttäuscht wurden. Wir wollen diese Aufbruchstimmung widerspiegeln und führen deshalb auch zunächst verstörende Texte wie „Lenin“ auf.

Dies mündete schlussendlich in die Bedürfnisse der Menschen, die 1989 für die friedliche Revolution auf die Straße gingen. Kompositionen, die in den Jahren um die friedlichen Revolution 1989 entstanden, schließen somit auch den Bogen zur heutigen Zeit. Bewusst haben wir die Motette „Fürchte dich nicht“ ans Ende des Konzertes gesetzt – als Motto und Botschaft an das Publikum, sich wachsam aber mit Zuvertrauen der Zukunft zu stellen und Kraft und Hoffnung zu schöpfen.

Programm

Heinrich Schütz (1585-1672)
Die mit Tränen säen werden mit Freuden ernten SWV 378

Hanns Eisler (1898–1962)
Alles folgenden Werke Eislers aus: Neue deutsche Volkslieder, Text: Johannes R. Becher
Die alten Weisen
Volkes Eigen

Johann Hermann Schein (1586-1630)
O Herr, ich bin dein Knecht (Israels Brünnlein)

Hanns Eisler (1898–1962)
Lenin
Das Wunderland

Instrumentalwerk

Hanns Eisler (1898–1962)
Deutschland
Das ferne Lied

Arvo Pärt (*1935)
Magnificat für Chor SATB (1989)

Hanns Eisler (1898–1962)
Zeit zum Wandern
Im Frühling

Fredrik Sixten (*1962)
Allelujah

Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Fürchte dich nicht, ich bin bei dir
Motette BWV 228 (entstanden wahrscheinlich vor 1719)

Veranstaltungsort

Westwerk, 04229 Leipzig, Karl-Heine-Straße 87

02.10.2019 -

19:30 Uhr